Seitensprung

seitensprungSeitensprung – emotionales Chaos und Wege hinaus

Eine Partnerschaft erfordert Vertrauen. Wird dieses erschüttert, wie bei einem Seitensprung der Fall, bedeutet das einen tiefen Einschnitt. Nun gibt es genau zwei Möglichkeiten: Trennung oder das Aufrechterhalten der Beziehung. Bis eine solche Entscheidung jedoch unabhängig von einer Kurzschlussreaktion getroffen werden kann, ist Einiges zu bewältigen. Wer betrogen wurde, wird von extremen Gefühlen überrollt. Betroffene fühlen sich gedemütigt, verletzt, abgewertet, sind traurig und enttäuscht. Vielleicht stellen sich sogar Schuldgefühle ein. Das Selbstwertgefühl kann leiden, auch kommen möglicherweise Bedenken hinsichtlich weiterer Vertrauensbrüche auf. Wut und Rachegelüste gesellen sich ebenfalls gerne dazu.

Gefühle zulassen

Rollt die Emotionswelle heran, gibt es kaum einen Fluchtweg. Es wäre kontraproduktiv, sie um den Erhalt der Partnerschaft Willen zu unterdrücken. Sinnvoller ist es, die Gefühle zuzulassen und Ventile zu suchen, sie auszudrücken. Dabei kann das Führen eines Tagebuches oder das Gespräch mit einer nahestehenden Person helfen.

Einen Seitensprung begehen bedeutet nicht immer, dass die Partnerschaft nicht mehr gewünscht, die Liebe eingeschlafen, keine gemeinsame Zukunft mehr gewollt ist. Auch hier sind heftige Emotionen wie Schuldgefühle, Scham und Reue möglich.

Das Gespräch suchen

Neben dem Erleben und Bewältigen der Emotionen ist das Revue passieren lassen der Partnerschaft in der Zeit vor dem Seitensprung für beide Parteien wichtig: Gab es Unzufriedenheit, hat sich Routine eingestellt, inwieweit wurden Zärtlichkeiten ausgetauscht und welche erfüllenden Gemeinsamkeiten hatten Sie? Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft? Das muss jeder für sich klären, um es anschließend im gemeinsamen Gespräch aufzuarbeiten. Eventuell hilft eine Paartherapie oder Eheberatung. Offenheit hat absolute Priorität – auch, wenn es wehtut. Ebenso ist gegenseitiges Verständnis erforderlich. Nur so ist es möglich, zu verarbeiten und eine neue Basis zu finden, um wieder Vertrauen aufzubauen.

Wie soll allerdings Verständnis für einen Seitensprung möglich sein, ohne ihn gutzuheißen? Es geht nicht darum, diesen als solchen zu befürworten, sondern darum, sich in die andere Person hineinzuversetzen und zu verstehen, wie es aus deren Sicht dazu kommen konnte. Ebenso ist selbstverständlich umgekehrt Verständnis notwendig, was der Seitensprung für Emotionen und Bedenken ausgelöst hat.

Welche Gemeinsamkeiten und Ziele gibt es?

So schmerzhaft und erschütternd ein Seitensprung ist, so sehr kann er auch als Chance betrachtet werden: Er kann als Gelegenheit genutzt werden, langfristig an Beziehungsproblemen zu arbeiten. Er bietet die Möglichkeit, sich neu zu entdecken oder weitere Facetten aneinander kennenzulernen. Prioritäten in der Beziehung können neu definiert, der Umgang miteinander kann bewusster gestaltet werden. Das setzt natürlich voraus, dass beide Partner dies möchten und wieder ein Vertrauensverhältnis aufgebaut wird.

Das schafft Vertrauen

Wissen beide, wie es zu dem Seitensprung kam, können auch beide lernen, damit umzugehen. Handelte es sich um eine einmalige Sache, sollten künftig alle Situationen vermieden werden, die den Ausrutscher begünstigt haben. Eine Affäre ist selbstverständlich umgehend zu beenden. Offenheit ist künftig sehr wichtig – Misstrauen hinsichtlich eines erneuten Fehltritts kann nur gemildert werden, wenn jede Unternehmung alleine stets transparent dargelegt wird. Machen Sie möglichst viel zusammen, was Ihnen beiden Spaß macht – das schafft Nähe. Ebenso kann das Arbeiten an gemeinsamen Zielen zusammenschweißen. Vor allem: Geben Sie sich Zeit und gehen Sie einfühlsam miteinander um, denn Vertrauen erfordert eine solide Basis, die es gemeinsam neu zu schaffen gilt.